Puhlmanns Lichtspielhaus

Die GESCHICHTE DES GRUNDSTÜCKS ist eng mit dem Namen Puhlmann verwoben. Was dort einst als Gartenlokal an der Kastanienallee eröffnet wurde, mauserte sich über die Jahre zur bekannten Veranstaltungsstätte.

Vermutlich im Jahr 1840 wurde an der Schönhauser Allee 148 ein Gartenlokal eröffnet, das später, im Jahr 1851, von dem Gastronomen Carl Puhlmann übernommen wurde. Damals noch in ländlichem Umfeld gelegen, wurde es zu einem gut besuchten Ausflugsort, an dem auch Musik- und Varietéveranstaltungen stattfanden. Puhlmann nutzte die 1869 im Deutschen Bund eingeführte Theaterfreiheit und gründete in seinem Haus ein eigenes Theater, das künftig unter dem Namen Vaudeville-Theater oder Puhlmann’s Vaudeville bekannt war und zunächst vor allem ein Sommertheater war, das im Garten mehrere tausend Menschen fasste. Die zunehmende Besiedlung mit Wohnhäusern zum ausgehenden 19. Jahrhundert hin beendete die Puhlmann’sche Ära als Ausflugslokal. Nun wurde der Betrieb immer mehr zur Theaterstätte, die nach mehreren Umbauten der früheren Gaststätte ganzjährig öffnete.

Pläne aus den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts zeigen aber, dass auch ein Teil vom Garten erhalten blieb, sogar die Aufstellung eines Karussells zur Kastanienallee zumindest einmal geplant war. Das Haus erlebte wechselnde Betreiber und Theaterdirektoren von unterschiedlicher Bedeutung. Zu den namhaftesten gehörten August Kentsch, August Reiff und Wilhelm Fröbel. Weitere Um- und Anbauten erfolgten zu Beginn des 20. Jahrhunderts, bis 1919 das Puhlmann-Kino oder auch Puhlmann’s Filmpalast mit 700 Plätzen eröffnete. Während der Nazi-Zeit enteignet, konnte die Familie Puhlmann nach Kriegsende ihr Anwesen zurückerlangen und bereits 1945 wieder ein Theater mit wechselndem Programm eröffnen.

Fortan war das Haus Veranstaltungsort für  Varietévorführungen, Gastspiele, Kinofilme und sogar kleinere Sportevents.  Weil die Besitzerin des Hauses ihren Verpflichtungen gegenüber dem Staat nicht nachgekommen sein soll, wurde es 1960 geschlossen. Hinsichtlich einer anderen Weiternutzung des Theaters wurden zwar viele Ideen entwickelt, letztlich wurde aber nichts realisiert und das Gebäude 1963 schließlich abgerissen. Mit der Eröffnung der Prater Lichtspiele im Jahr 1965, des ersten Breitwandkinos in Berlin gegenüber in der Kastanienallee, wurde die Kino-Ära an anderer Stelle fortgeführt. Der ehemalige Lichtspielkonkurrent war verschwunden, und auf dem Gelände wurde ein Parkplatz eingerichtet, auf dem Kinobesucher fortan ihr Auto abstellen konnten.

Jens Holger Kirchner 3

Rückkehr städtischen Lebens

JENS-HOLGER KIRCHNER ist Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung im Bezirksamt Pankow von Berlin.

„Nur Kenner der Geschichte von Prenzlauer Berg wissen noch, dass auf dem Areal zwischen Schönhauser Allee und Kastanienallee – genau gegenüber dem Prater – der Puhlmann’sche Hof einst eine bekannte Adresse städtischen Lebens in Berlin war. Das ist lange her. Kriegsschäden hinterließen eine Brache, und die jahrzehntelange Nutzung als Parkplatz war zwar in der Nachbarschaft willkommen, ließ aber vergessen, dass Urbanität etwas anderes ist als abgestelltes Blech. Mit einem Nutzungsmix aus Gewerbe, Dienstleistung, Gastronomie und Wohnen, anspruchsvoller Architektur und öffentlicher Durchwegung wird das neue Quartier wieder zu einer bekannten Adresse Berlins. Da bin ich mir sicher.“